
Nicht nur Auszubildende profitieren von internationalen Erfahrungen: Im Rahmen von Erasmus+ haben auch Lehrende die Möglichkeit, Einrichtungen im europäischen Ausland kennenzulernen, neue Perspektiven auf Bildung und Praxis zu gewinnen und sich mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort auszutauschen.
Eine Möglichkeit dafür ist das sogenannte Job Shadowing. Dabei verbringen Mitarbeitende einen begrenzten Zeitraum in einer Gasteinrichtung im europäischen Ausland. Sie begleiten Fachkolleginnen und Fachkollegen bei ihrer täglichen Arbeit und lernen durch Beobachtung und persönlichen Austausch andere Arbeitsweisen, Methoden und Strukturen kennen. Die gewonnenen Erfahrungen und neuen Impulse können anschließend in die eigene Arbeit einfließen und so zur Weiterentwicklung von Lehre und Praxis beitragen.
Anke Wimmershoff-Berger und Melanie Barth, zwei Lehrerinnen des BZPG, haben diese Möglichkeit genutzt und im Rahmen von Erasmus+ Einrichtungen in Österreich besucht.

Neue Impulse für die Pflegeausbildung in Linz
Während ihres Aufenthalts in Linz erhielt Frau Barth, Praxisanleiterin und verantwortlich für das Interdisziplinäre Simulations- und Erfahrungslabor am BZPG, umfassende Einblicke in die Ausbildung von Pflegefachassistentinnen und Pflegefachassistenten. Ein Schwerpunkt lag auf kompetenzorientierten Prüfungsformaten sowie auf praxisnahen Lern-, Trainings- und Transfer-Einheiten.
Besonders interessant waren die Simulationstrainings, in denen Auszubildende realitätsnahe Pflegesituationen gemeinsam bearbeiten. Strukturierte Nachbesprechungen, Feedback durch Lehrende, Mitlernende sowie Schauspielpatientinnen und -patienten und der Einsatz von Videoanalysen unterstützen dabei nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch Selbstreflexion, Kommunikation und soziale Kompetenzen.
Der Aufenthalt bot zahlreiche Anregungen für die Gestaltung praxisnaher Lernprozesse. Besonders die Verbindung von Simulation, strukturiertem Feedback und Reflexion sowie der professionelle Umgang mit Fehlern und herausfordernden Situationen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck.

Kinaesthetics in der Rehabilitation erleben
Frau Wimmershoff-Berger, stellvertretende Leitung der Fort- und Weiterbildung am BZPG, nutzte Erasmus+ für eine einwöchige Hospitation in der Rehaklink Tobelbad/Steiermark, einer Rehabilitationsklinik der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) in Österreich. Als Kinaesthetics-Trainerin konnte sie dort erleben, wie Kinaesthetics systematisch in die pflegerische Versorgung und die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden integriert wird.
Die AUVA hat als erste Institution europaweit in allen ihren Rehabilitationseinrichtungen das Gütesiegel der European Kinaesthetics Association für Kinaesthetics im Pflegebereich erreicht. Im Mittelpunkt steht die Förderung der Bewegungskompetenz und Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig können kinästhetische Arbeitsweisen dazu beitragen, körperliche Belastungen für Pflegekräfte zu reduzieren.
Während der Hospitation begleitete Frau Wimmershoff-Berger u.a. Pflegekräfte im Stationsalltag, nahm an Lernbegleitungen, Fallbesprechungen und einem Workshop für Auszubildende und Studierende teil und erhielt Einblicke in Praxismentoring, Pflegedokumentation und den Zertifizierungsprozess. Auch der fachliche Austausch über Ausbildungsstrukturen und die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich spielte eine wichtige Rolle.
Besonders beeindruckend waren die konsequente Verankerung pflegerischer Konzepte im Arbeitsalltag, die ausgeprägte Lernkultur und die hohe pflegerische Expertise. Viele der gewonnenen Anregungen können nun in die eigene Bildungsarbeit einfließen.
Internationaler Austausch, der vor Ort weiterwirkt
Die beiden Aufenthalte zeigen, welchen Mehrwert Erasmus+ auch für Lehrende bietet. Job Shadowing ermöglicht es, über die eigenen Strukturen hinauszublicken, bewährte Konzepte anderer Einrichtungen kennenzulernen und die eigene Arbeit aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Davon profitieren nicht nur die Teilnehmenden selbst: Neue fachliche und didaktische Impulse fließen zurück in das BZPG und können zur Weiterentwicklung von Unterricht, Ausbildung und Praxisbegleitung beitragen. Gleichzeitig stärkt der persönliche Austausch die europäische Vernetzung im Bildungs- und Gesundheitsbereich.
Ausführliche Berichte (auch von unseren Auszubildenden) und weitere Informationen zum Job Shadowing für Mitarbeitende des BZPG sowie zu Anfragen aus dem Ausland finden Sie → hier
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